Kaiserdom, Kronprinz und Klosterbräu – Zwischen Export, Craftbier und Brautradition

 

In der 25. Episode des SCHULZ Podcasts „Vom Halm zum Glas“ spricht Gastgeber Johannes Schulz-Hess mit Felix Wörner, dem Inhaber dreier Brauereien in Bamberg. Mit der Kaiserdom Specialitätenbrauerei, dem Kronprinz als craft und die Klosterbräu – die älteste Braustätte Bambergs – zeigt sich der erfolgreiche Weg Wörners, welcher auf traditionellen Werte aufbaut und zugleich in internationale Märkten investiert.

Vom Cockpit ins Sudhaus

Felix Wörner wuchs von klein auf in die Brautradition seiner Familie hinein und entschied sich nach dem Abitur zunächst für eine Pilotenausbildung bei der Lufthansa. Bis zur Insolvenz von AirBerlin im Jahr 2017 arbeitete er in der Luftfahrt, während er parallel schon im Familienbetrieb mitarbeitete. „Es war keine Last, sondern irgendwann eine Selbstverständlichkeit“, erinnert er sich an den Wechsel von der Fliegerbrille zum Brauerpaddel. Nach dem abrupten und ungewollten Ende seiner Pilotenkarriere übernahm Wörner zügig Verantwortung in der elterlichen Kaiserdom Specialitätenbrauerei, wo seine technischen Kenntnisse und das Organisationstalent aus der Luftfahrt neuen Schwung in die Abläufe brachten.

Kaiserdom Specialitätenbrauerei: Export auf sieben Kontinente

Unter der Führung von Wörner produziert die Kaiserdom mittlerweile über 300.000 Hektoliter Bier pro Jahr und zählt damit zu der größten Brauerei Bambergs. Schon Vater Wörner hatte früh auf das Exportgeschäft gesetzt, um sich im wettbewerbsintensiven fränkischen Biermarkt zu behaupten. Heute erreichen sie Biertrinker in rund 65 Ländern – von Italien über China bis nach Südamerika. Hier wird konsequent aufgrund von transporttechnischen und wirtschaftlichen Aspekten auf Dosen gesetzt. Den lokalen Handel hat Felix Wörner erst vor etwa drei Jahren wieder intensiver ins Auge gefasst. Mit der Reaktivierung der Verkaufskanäle rund um Bamberg will die Kaiserdom zeigen, dass Heimat und internationales Exportgeschäft keine Gegensätze sein müssen.

Kronprinz: Craft-Brauerei im sanierten Fischerhof

Zeitgleich mit der Wiederbelebung des regionalen Marktes entstand 2016 die Kronprinz‑Brauerei im denkmalgeschützten Fischerhof im Bamberger Stadtteil Gaustadt. Anders als in traditionellen Brauereien liegt hier der Fokus auf Experimentierfreude und Transparenz: Besucher können die komplette Brauanlage von KASPAR SCHULZ im Gastraum im stimmungsvollen Ambientelicht bestaunen. „Wir wollten nicht das bitterste oder stärkste Bier brauen, sondern die Vielfalt unserer drei Rohstoffe – Malz, Hopfen, Hefe – in den Vordergrund rücken“, erklärt Wörner. Begleitet von moderner, unkomplizierter Küche, entsteht so ein Angebot, das Craft-Bier-Neulinge ebenso begeistert wie Kenner.

Klosterbräu: Bewahrung der ältesten Braustätte Bambergs

Im selben Jahr, 2016, übernahm die Familie Wörner die Klosterbräu, die erstmals 1333 als Schankwirtschaft und ab 1533 als Brauerei auf historischen Dokumenten erwähnt wird – damit die älteste Braustätte Bambergs . Ziel der Übernahme war es, ein kulturelles Erbe zu bewahren: Die denkmalgeschützten Gebäude erhielten neue Sanitäranlagen, moderne Brautechnik und eine behutsame Innensanierung. Es ist bereits die Umgestaltung des Innenhofs in einen fränkischen Biergarten mit Schotterboden, schattenspendenden Bäumen und rustikalem Mobiliar geplant. Die angrenzende Zehntscheune aus dem Mittelalter soll als Event‑Location für Hochzeiten und Konzerte geöffnet werden.

Auszeichnungen belegen Qualität

Die Wörner-Braustätten überzeugen nicht nur mit Tradition, sondern auch durch Auszeichnungen bei internationalen Wettbewerben: Bronze für das Klosterbräu‑Kellerbier bei der Brussels Beer Challenge und Gold beim European Beer Star für das Rauchbier der Klosterbräu sowie für das dunkle Lager der Kaiserdom. Mehr als 20 Medaillen in vier Jahren zeigen, dass die Verbindung von handwerklicher Sorgfalt und moderner Qualitätskontrolle aufgeht. „Beim European Beer Star gibt es keine Quoten, sondern nur je einmal Gold, Silber und Bronze pro Kategorie“, betont Wörner. Das mache die Auszeichnungen besonders wertvoll und authentisch.

Nachhaltigkeit und Digitalisierung

In den vergangenen sieben Jahren investierte Wörner rund 25 Millionen Euro in neue Kessel, Automatisierung und Energieeffizienz. Drei eigene Brunnen versorgen die Betriebe mit Wasser, 100 % Ökostrom stammt aus regionaler Wasserkraft, und Wärmerückgewinnung reduziert den Energiebedarf deutlich. Ergänzend führte Wörner ein papierloses Management ein – digitalisierte Prozesse, die an seine Erfahrungen im Cockpit erinnern, in dem jede Information klar strukturiert sein muss.

Ausblick: Stabilität vor Wachstum

Für die nächsten fünf bis zehn Jahre formuliert Felix Wörner ein klares Leitbild: Nicht rücksichtsloses Wachstum, sondern Krisenfestigkeit, nachhaltige Abläufe und die Übergabe an die nächste Generation stehen im Vordergrund. Die Kaiserdom soll ihre Exportmärkte konsolidieren und den regionalen Handel weiter stärken. Der Kronprinz bleibt als Erlebnisbrauerei exklusiv vor Ort, ohne in Supermarktregale zu drängen. Die Klosterbräu wird Stück für Stück zum multifunktionalen Treffpunkt aus Brauerei, Gastronomie und Veranstaltungsort ausgebaut.

Fazit

Die Kombination aus jahrhundertealter Brautradition und moderner Unternehmensführung macht die Familie Wörner zu wichtigen Botschaftern bayerischer Braukunst. Mit der Kaiserdom, dem Kronprinz und der Klosterbräu gelingt es Felix Wörner, historische Werte zu bewahren und gleichzeitig in internationalen Märkten erfolgreich zu bestehen. Wer in Bamberg ein Bier genussvoll trinken möchte, findet hier nicht nur die älteste Brauerei Bambergs, sondern ein Netzwerk aus Qualität, Vielfalt und Weitblick.

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